Key Takeaways
- 8+ Dashboards: Amazon Brand Analytics umfasst 6 Kern-Reports plus Customer Loyalty Analytics und Custom Analytics -- alles kostenfrei für Brand-Registry-Inhaber.
- Search Query Performance (SQP): Die Top-1.000 Suchanfragen mit Impression-, Klick- und Kaufanteil -- das wichtigste Keyword-Tool für Markeninhaber.
- Cross-Selling-Potenzial: Market Basket Analysis zeigt die drei meistgekauften Begleitprodukte -- Seller berichten von bis zu 15% Umsatzsteigerung durch gezielte Bundles.
- Kundensegmentierung: Customer Loyalty Analytics nutzt RFM-Segmentierung (Top Tier, Promising, At Risk, Hibernating), um Stammkunden gezielt anzusprechen.
- Voraussetzung: Zugang nur mit aktiver Amazon Brand Registry -- hier zur Anleitung.
Amazon Brand Analytics (ABA) ist eines der mächtigsten, aber am wenigsten genutzten Tools, das Amazon Markeninhabern kostenfrei zur Verfügung stellt. Während viele Seller hunderte Euro im Monat für externe Keyword- und Marktanalyse-Tools ausgeben, liefert ABA First-Party-Daten direkt von Amazon -- also Daten, die kein externes Tool in dieser Qualität bieten kann.
In diesem umfassenden Guide erklären wir jeden einzelnen Report, zeigen konkrete Anwendungsbeispiele und verraten, wie du die gewonnenen Erkenntnisse in messbare Optimierungen übersetzt. Die Grundlage für effektive ABA-Nutzung ist eine solide Keyword-Recherche.
Voraussetzungen und Zugang
Amazon Brand Analytics ist exklusiv für Seller und Vendoren verfügbar, die eine aktive Amazon Brand Registry besitzen. Die Registrierung erfordert eine eingetragene Marke (Wortmarke oder Wort-/Bildmarke) und dauert in der Regel 2-4 Wochen. Ohne Brand Registry hast du keinen Zugang zu ABA -- eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du in unserem Brand Registry Guide.
Du findest ABA im Seller Central unter Marken > Brand Analytics. Die Reports sind in wöchentliche, monatliche und quartalsweise Zeiträume unterteilt. Wichtig: Die Daten werden mit einer Verzögerung von ca. 3-5 Tagen aktualisiert, sind also nicht in Echtzeit verfügbar.
1. Search Query Performance (SQP) Report
Der SQP-Report ist das Herzstück von ABA und zeigt dir die Performance deiner Marke für die Top-1.000 Suchanfragen. Für jede Suchanfrage siehst du:
- Impression Share: Wie oft dein Produkt bei dieser Suchanfrage angezeigt wurde (als Anteil aller Impressions)
- Click Share: Wie viele Klicks dein Produkt im Verhältnis zu allen Klicks auf diese Suchanfrage erhalten hat
- Purchase Share (Kaufanteil): Dein Anteil an den tatsächlichen Käufen, die über diese Suchanfrage generiert wurden
- Cart Add Share: Wie oft dein Produkt über diese Suchanfrage in den Warenkorb gelegt wurde
Praxistipp: Vergleiche Click Share und Purchase Share. Wenn dein Click Share hoch, aber dein Purchase Share niedrig ist, deutet das auf ein Conversion-Problem hin (Preis, Bewertungen, Listing-Qualität). Ist der Click Share niedrig bei gutem Purchase Share, fehlt Sichtbarkeit -- hier helfen gezielte PPC-Kampagnen.
2. Search Catalog Performance Report
Während der SQP-Report auf Suchanfragen-Ebene arbeitet, zeigt der Search Catalog Performance Report die Metriken auf ASIN-Ebene:
- Click-Through-Rate (CTR): Prozentsatz der Impressions, die zu einem Klick führen
- Cart Adds: Wie oft ein bestimmtes Produkt in den Warenkorb gelegt wurde
- Conversion Rate: Verhältnis von Käufen zu Klicks pro ASIN
- Impressions insgesamt: Gesamtsichtbarkeit pro Produkt
Dieser Report ist besonders wertvoll, um schwache ASINs zu identifizieren. Produkte mit vielen Impressions aber niedriger CTR brauchen bessere Hauptbilder oder Titel. Produkte mit hoher CTR aber niedriger Conversion haben Optimierungsbedarf auf der Produktdetailseite.
3. Top Search Terms Report
Der Top Search Terms Report zeigt die beliebtesten Suchbegriffe auf Amazon mit dem sogenannten Search Frequency Rank (SFR). Je niedriger der Rank, desto häufiger wird der Begriff gesucht. Für jeden Suchbegriff siehst du die drei meistgeklickten ASINs mit ihrem jeweiligen Click- und Conversion-Share.
Strategische Nutzung: Identifiziere Suchbegriffe, bei denen dein Produkt unter den Top 3 geklickten ASINs ist, aber nicht auf Platz 1. Hier lohnt sich gezieltes PPC-Investment, um die organische Position zu verbessern. Ebenso kannst du Suchbegriffe finden, bei denen kein Wettbewerber dominant ist -- diese Nischen sind besonders wertvoll.
4. Market Basket Analysis
Die Market Basket Analysis zeigt dir die drei Produkte, die am häufigsten zusammen mit deinem Produkt gekauft werden. Amazon analysiert dabei tatsächliche Warenkorbdaten -- das sind Informationen, die extern nicht verfügbar sind.
Anwendungsbeispiele:
- Bundle-Erstellung: Kombiniere dein Hauptprodukt mit den meistgekauften Begleitprodukten zu einem attraktiven Bundle
- Cross-Selling via PPC: Schalte Sponsored Products oder Sponsored Display Ads auf den Detailseiten der Begleitprodukte
- Sortimenterweiterung: Wenn Kunden regelmäßig Zubehör anderer Marken mitbestellen, liegt hier eine Chance für eigene Produktentwicklung
Seller berichten von einer durchschnittlichen Umsatzsteigerung von rund 15%, nachdem sie auf Basis der Market Basket Analysis gezielte Cross-Selling-Strategien implementiert haben.
5. Item Comparison Report
Der Item Comparison Report zeigt die fünf Produkte, die innerhalb von 24 Stunden am häufigsten mit deinem Produkt verglichen wurden. Amazon trackt dabei, welche Detailseiten Kunden in derselben Session besuchen.
Dieser Report ist Gold wert für die Wettbewerbsanalyse. Du siehst genau, welche Produkte deine potenziellen Kunden als Alternativen betrachten. Daraus lassen sich folgende Maßnahmen ableiten:
- Preispositionierung: Verstehe, in welchem Preissegment sich deine Wettbewerber bewegen
- Listing-Optimierung: Analysiere, welche Features die verglichenen Produkte hervorheben, die du eventuell übersiehst
- Defensive PPC: Schalte Sponsored Products auf den Detailseiten der meistvergleichenden Wettbewerber
6. Repeat Purchase Behavior Report
Dieser Report teilt deine Kunden in Erstkäufer und Wiederholungskäufer auf. Du siehst den Prozentsatz der Bestellungen, die von wiederkehrenden Kunden stammen, und kannst Produkte identifizieren, die besonders häufig nachgekauft werden.
Praxistipp: Produkte mit hoher Wiederholungskaufrate sind ideale Kandidaten für das Subscribe & Save Programm. Wenn mehr als 25% der Bestellungen eines Produkts von wiederkehrenden Kunden stammen, solltest du unbedingt die Aufnahme prüfen.
7. Demographics Report
Der Demographics Report liefert Einblicke in die Kundenstruktur nach Alter, Einkommen, Bildungsstand und Geschlecht. Wichtig: Dieser Report ist aktuell nur für den US-Marktplatz verfügbar und erfordert mindestens 100 einzigartige Kunden in der ausgewählten Periode.
Obwohl der Report für europäische Marktplätze nicht verfügbar ist, können Seller, die auch in den USA verkaufen, wertvolle Rückschlüsse für ihre globale Marketingstrategie ziehen. Die demografischen Daten helfen bei der Zielgruppenansprache in externen Werbekanälen wie Meta oder Google Ads.
8. Customer Loyalty Analytics
Customer Loyalty Analytics ist eines der neueren Features und nutzt RFM-Segmentierung (Recency, Frequency, Monetary Value), um deine Kunden in vier Hauptsegmente einzuteilen:
- Top Tier: Deine wertvollsten Kunden -- häufige Käufe, hoher Warenkorbwert, kürzliche Aktivität
- Promising: Kunden mit Potenzial -- gute Kauffrequenz, aber noch nicht im Top-Segment
- At Risk: Früher aktive Kunden, deren Kaufaktivität nachlasst -- hier besteht Handlungsbedarf
- Hibernating: Kunden, die längere Zeit nicht mehr gekauft haben -- Reaktivierung nötig
Mit diesen Segmenten kannst du gezielte Strategien entwickeln: Top-Tier-Kunden mit exklusiven Angeboten binden, At-Risk-Kunden mit Rabattaktionen zurückgewinnen und Hibernating-Kunden durch neue Produktlaunches ansprechen.
Datenexport und Weiterverarbeitung
Alle ABA-Reports können als CSV exportiert und in Tools wie Excel, Google Sheets oder Business-Intelligence-Plattformen weiterverarbeitet werden. Für fortgeschrittene Analysen empfehlen wir, die Daten wöchentlich zu exportieren und Trends über längere Zeiträume zu verfolgen.
Besonders wertvoll ist die Kombination von ABA-Daten mit PPC-Daten aus der Advertising Console. So kannst du zum Beispiel SQP-Daten mit Kampagnen-Performance abgleichen und dein Werbebudget auf die profitabelsten Suchbegriffe konzentrieren.
