Key Takeaways für Amazon-Seller
- 12. August 2026 ist der harte Stichtag: Ab diesem Datum greift die EU-Verpackungsverordnung PPWR (2025/40), und Artikel 45 verpflichtet alle Online-Marktplätze, jeden Verkäufer auf gültige EPR-Registrierung in jedem Verkaufsland zu prüfen. Wer Anfang August keine Nachweise hat, fliegt automatisch aus dem Listing.
- Amazons interne Deadlines lagen früher: WEEE-Nummern mussten bis 31. Dezember 2025, Nummern für Verpackungen, Batterien, Reifen, Öle und Polyethylen bis 31. März 2026 eingetragen sein. Wer das verpasst hat, ist automatisch im "Pay on Behalf"-Programm gelandet und zahlt Amazons Service-Gebühr obendrauf.
- Pay on Behalf gibt es nur in 5 Ländern: UK, Frankreich, Spanien, Italien und Belgien. Für Deutschland, österreich und die Niederlande musst du jede Registrierung (LUCID, EAR, Stiftung GRS BattG, UID, AGES) selbst durchführen, Amazon übernimmt das nicht.
- Strafen sind real und sofort: Bis zu 200.000 Euro pro Verstoss in Deutschland, plus Sales-Bans, plus Marktplatz-Delisting. Bei fehlendem Authorised Representative droht zusätzlich Importstop in das Empfängerland.
- Der neue Authorised Representative ist Pflicht ab 12. August 2026: Wer Verpackungen in EU-Länder bringt, in denen er keinen Sitz hat, braucht einen bevollmächtigten Vertreter im jeweiligen Land. Das gilt für alle Importeure, Eigenmarken-Vertriebe und Online-Händler.
- Pan-EU = 7 EPR-Registrierungssysteme: Wer FBA Pan-EU nutzt, lagert automatisch in mehreren Ländern und ist damit EPR-pflichtig in jedem davon. Eine einzige LUCID-Registrierung reicht nicht.
Am 12. August 2026 greift die EU-Verpackungsverordnung 2025/40, besser bekannt als PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation). Sie löst die alte Verpackungsrichtlinie 94/62/EG ab, gilt direkt in allen 27 Mitgliedstaaten ohne nationale Umsetzung, und sie verschiebt die Compliance-Last fundamental in Richtung Plattformen wie Amazon. Für dich als Seller bedeutet das: Die letzten Wochen vor dem 12. August entscheiden, ob deine Listings im Herbst 2026 noch live sind oder ob du Wochen mit Sperren, Nachregistrierungen und Service-Gebühren verbringst.
In diesem Artikel zeigen wir, was die PPWR konkret verändert, welche EPR-Pflichten in welchem Land tatsächlich gelten, wo Amazons "Pay on Behalf"-Service hilft (und wo er es eben nicht tut), und welche Schritte du jetzt machen musst, um pan-europäisch sauber aufgestellt zu sein.
Was die PPWR überhaupt ist und warum sie alles ändert
Die PPWR (Verordnung 2025/40) ist am 11. Februar 2025 in Kraft getreten und wird nach einer 18-monatigen Übergangsfrist ab dem 12. August 2026 verbindlich anwendbar. Im Gegensatz zur alten Richtlinie 94/62/EG ist sie eine Verordnung, das heißt, sie gilt 1:1 in allen Mitgliedstaaten ohne Umsetzung in nationales Recht. Das bedeutet: keine 27 verschiedenen nationalen Interpretationen mehr, sondern ein einheitlicher Rahmen.
Die drei harten Verschärfungen
- Artikel 45 (4) Online-Marktplatz-Pflicht: Amazon, eBay, Otto, Zalando und Co. müssen vor dem ersten Listing prüfen, ob der Verkäufer in jedem Verkaufsland eine gültige EPR-Registrierung hat, und diese Prüfung laufend monitoren. In der Praxis läuft das über API-Anbindungen an die nationalen Register, fehlende oder abgelaufene Nachweise führen zu automatischer Suspension.
- Authorised Representative-Pflicht: Wer Verpackungen in einem EU-Land in Verkehr bringt, in dem er nicht selbst sitzt, muss dort einen bevollmächtigten Vertreter benennen. Dieser übernimmt die rechtliche Verantwortung für die Einhaltung der nationalen EPR-Vorschriften. Für Drittland-Verkäufer (z.B. China) gilt das ohnehin schon, neu ist die Ausdehnung auf EU-interne grenzüberschreitende Verkäufe.
- Recyclingfähigkeit als Designvorgabe: Ab dem 1. Januar 2030 müssen Verpackungen recyclingfähig sein, ab 2035 wirtschaftlich recycelbar in den nationalen Sortier- und Verwertungsanlagen. Das ist noch nicht akut für 2026, aber relevant für alle, die jetzt neue Verpackungen entwickeln.
Für die Tagesoperative im Amazon-Account ist Punkt 1 der wichtigste Hebel. Ohne gültige Registrierungs-Nummer pro Land kein Listing. Das ist keine Drohung, das ist die rechtliche Pflicht des Marktplatzes, durchgesetzt durch automatisierte Sperren.
Amazons interne Deadlines: Wo du jetzt schon stehen musst
Amazon hat parallel zur PPWR eigene Stichtage gesetzt, die bereits in der Vergangenheit liegen. Wer sie verpasst hat, ist nicht automatisch gesperrt, sondern landet im sogenannten "Pay on Behalf"-Programm, was Amazon-seitig komfortabel klingt, aber Service-Gebühren und reduzierte Kontrolle bedeutet.
Die Amazon-Stichtage 2025/2026
- 31. Dezember 2025: WEEE-Nummer (Elektro- und Elektronikgeräte) musste in allen relevanten Marketplaces eingetragen sein.
- 31. März 2026: Nummern für Verpackungen, Batterien, Reifen, Öle und Polyethylen musste eingetragen sein.
- 12. August 2026: Harte Deadline der PPWR, ab dem Datum laufen automatische Marktplatz-Prüfungen flächendeckend.
Wenn du eine dieser Deadlines verpasst hast und in einem "Pay on Behalf"-Land verkaufst (siehe unten), übernimmt Amazon die EPR-Beiträge für dich, berechnet sie aber zuzüglich Service-Fee direkt vom Auszahlungskonto. Das ist kostenmäßig teurer als die Eigen-Registrierung, deckt aber das Compliance-Risiko ab. In Deutschland, österreich und den Niederlanden gibt es diesen Auffang-Mechanismus nicht, dort führt eine fehlende Registrierung direkt zur Sperre.
Den vollständigen Country-Status deines Kontos siehst du in Seller Central unter "Konto-Konfiguration > Compliance-Portal > EPR-Compliance". Prüfe dort vor jedem Quartalsende, ob neue Marktplätze hinzugekommen sind oder Lagerorte sich verändert haben.
EPR Country-by-Country: Was wo registriert werden muss
Die PPWR vereinheitlicht den Rahmen, aber die konkreten Registrierungssysteme bleiben national. Das ist die wichtigste Mythen-Klärung: Es gibt 2026 keine "EU-EPR-Nummer", sondern weiterhin nationale Register pro Abfallstrom und pro Land.
Deutschland: LUCID + EAR + Stiftung GRS BattG
- LUCID (Verpackungen): Registrierung bei der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister auf verpackungsregister.org. Kostenlos. Zusätzlich braucht es einen Vertrag mit einem dualen System (z.B. Reclay, Interzero, Landbell), das die Lizenzgebühren je Material und Tonnage abrechnet.
- EAR / WEEE-Reg.-Nr. (Elektro): Registrierung bei der Stiftung Elektro-Altgeräte-Register. Bearbeitungszeit 4 bis 8 Wochen. Kosten: ca. 230 Euro Pauschale plus Garantie je Geräteart.
- Stiftung GRS BattG (Batterien): Registrierung bei der Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien. Bearbeitungszeit 2 bis 4 Wochen.
Wichtig für Importeure: Wenn dein Produkt aus China kommt und du in Deutschland erstmals in Verkehr bringst, bist du der "Hersteller" im Sinne des VerpackG. Die Pflicht läuft also nicht beim chinesischen Lieferanten, sondern bei dir.
Frankreich: ADEME Identifiant Unique + CITEO
- Die französische Umweltagentur ADEME vergibt seit 2022 die "Identifiant Unique" (UID) an alle Unternehmen, die französische Recyclinggesetze einhalten müssen.
- Die UID wird über das Rücknahmesystem (in der Praxis fast immer CITEO für Verpackungen) beantragt.
- Neu ab 1. Juli 2026: Auch Transport- und Industrieverpackungen werden registrierungs- und meldepflichtig.
- Amazon Pay on Behalf ist hier verfügbar, deckt aber nicht die Anmeldung der TGAP-Ökomodulation ab.
Italien: CONAI + EPR für Elektro und Batterien
In Italien ist die Registrierung bei CONAI für Verpackungen Pflicht, in vielen Konstellationen mit einem steuerlichen Repräsentanten. Online-Händler ohne Sitz in Italien benötigen einen Bevollmächtigten. Amazon Pay on Behalf ist verfügbar, aber Sortier-Beiträge werden je nach Material individuell berechnet.
Spanien: Ecoembes / Ecovidrio / SCRAP-System
Spanien hat sein EPR-System mit der RD 1055/2022 deutlich verschärft. Anmeldung erfolgt über das jeweilige SCRAP (Sistema Colectivo de Responsabilidad Ampliada del Productor), meistens Ecoembes für Papier/Karton/Plastik und Ecovidrio für Glas. Amazon Pay on Behalf ist verfügbar.
Belgien, Niederlande, österreich
- Belgien: Fost Plus (Verpackungen). Amazon Pay on Behalf ist verfügbar.
- Niederlande: Afvalfonds Verpakkingen. Amazon Pay on Behalf NICHT verfügbar, Eigen-Registrierung Pflicht.
- österreich: ARA AG oder andere lizenzierte Systeme. Amazon Pay on Behalf NICHT verfügbar.
UK: Producer Responsibility Obligations + EPR for Packaging (pEPR)
Mit der Reform "Extended Producer Responsibility for Packaging" (pEPR) trägt der Hersteller seit 2024 die vollen Netto-Kosten der Haushaltsabfall-Sammlung. Registrierung bei der Environment Agency. Amazon Pay on Behalf ist seit März 2024 auch für UK verfügbar.
Amazon Pay on Behalf: Wann es hilft, wann nicht
Amazons Pay-on-Behalf-Service ist 2026 in fünf Ländern verfügbar: UK, Frankreich, Spanien, Italien, Belgien. Amazon ist nach eigenen Angaben für über 300.000 Seller in diesen fünf Ländern als Beitragszahler eingetragen.
Wie Pay on Behalf konkret funktioniert
Wenn du keine eigene EPR-Registrierung in einem dieser Länder hast, wird Amazon automatisch dein bevollmächtigter Beitragszahler. Amazon meldet deine Verpackungsmengen an die zuständige PRO (Producer Responsibility Organisation), zahlt die Beiträge und stellt dir das über das Disbursement-Konto in Rechnung. Zusätzlich zur reinen EPR-Gebühr berechnet Amazon eine Service-Fee (in der Regel 5 bis 20 Prozent der EPR-Gebühr, je nach Land).
Wann Pay on Behalf wirtschaftlich Sinn ergibt
- Geringe Mengen / Test-Markt: Wer in einem Land unter 1.000 Bestellungen pro Jahr macht, fährt mit Pay on Behalf in der Regel günstiger als mit eigener Registrierung plus jährlichem Pflichtreporting.
- Compliance-Risiko-Vermeidung: Wer keine internen Ressourcen für das jährliche Reporting hat, kauft sich mit Pay on Behalf Ruhe.
- Multi-Channel-Verkauf NICHT abgedeckt: Wichtig: Pay on Behalf gilt nur für die Amazon-Mengen. Wenn du parallel über DTC-Shop, Otto oder Zalando verkaufst, brauchst du für diese Kanäle eine eigene Registrierung. Amazon meldet ausschliesslich, was über Amazon verkauft wird.
Wann sich Eigenregistrierung lohnt
- Hohe Mengen: Ab ca. 5.000 Bestellungen pro Jahr und Land kippt das Verhältnis. Die Eigen-Registrierung mit direkter PRO-Vertrag ist günstiger.
- Multi-Channel: Wer auf mehreren Plattformen verkauft, kommt um die Eigen-Registrierung ohnehin nicht herum.
- Markenkontrolle: Eigenregistrierung gibt dir Kontrolle über Material-Klassifizierung und damit über die Beitragshöhe.
Für Deutschland, österreich und die Niederlande gibt es Pay on Behalf nicht. Das ist die mit Abstand größte Falle 2026, weil viele Seller annehmen, Amazon kümmere sich auch hier. Die Realität: Wer für Amazon.de verkauft und keine LUCID-Nummer plus dualen-System-Vertrag hat, wird ab 12. August 2026 gesperrt.
Der neue Authorised Representative ab August 2026
Ein zentraler Hebel der PPWR, den viele Seller noch nicht auf dem Schirm haben: Ab dem 12. August 2026 muss jeder Verkäufer, der Verpackungen in einem EU-Land in Verkehr bringt, in dem er keinen Sitz hat, einen Authorised Representative (bevollmächtigten Vertreter) im jeweiligen Land benennen. Das ist die Brücke zwischen PPWR und nationalem EPR-Recht.
Wer einen Authorised Representative braucht
- Drittland-Verkäufer (z.B. China, USA, UK), die in EU-Länder verkaufen, brauchen einen AR in jedem belieferten EU-Land.
- NEU ab August 2026: Auch EU-Verkäufer, die in andere EU-Länder verkaufen, brauchen einen AR im Empfängerland, sofern sie dort keinen Sitz haben.
Konkret: Ein deutscher Seller, der nach Frankreich, Italien und Spanien verkauft, braucht ab 12. August 2026 entweder einen eigenen Sitz in jedem dieser Länder oder einen Authorised Representative dort. Die übliche Lösung sind spezialisierte Dienstleister wie Lizenzero EU, Deutsche Recycling, Ecosistant oder eucompliance, die das für typischerweise 800 bis 2.500 Euro pro Jahr und Land übernehmen.
Was der AR rechtlich übernimmt
- Registrierung im nationalen EPR-Register im Namen des Sellers.
- Jährliches Reporting der in Verkehr gebrachten Mengen an die PRO.
- Empfang behördlicher Schreiben und Prüfungen.
- Haftung für die Einhaltung der nationalen Vorschriften (gesamtschuldnerisch mit dem Seller).
Ohne AR ist der Marktzugang im Empfängerland rechtlich ab 12. August 2026 nicht mehr zulässig. In der Marktplatz-Prüfung von Amazon wird die AR-Nennung Teil der Onboarding-Validierung sein.
Pan-EU FBA: Sieben Registrierungssysteme auf einmal
Wer Amazons Pan-EU-FBA-Programm nutzt, hat Lagerorte in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und (je nach Programm-Status) Tschechien. Aus Amazons Logistik-Logik macht das Sinn, aus EPR-Sicht ist es eine massive Multiplikation der Pflichten.
Die EPR-Konsequenzen von Pan-EU FBA
- Sobald Ware in einem Land gelagert wird, gilt sie als "in Verkehr gebracht" in diesem Land, auch wenn der Verkauf an einen Kunden in einem anderen Land geht. Das löst dort EPR-Pflichten aus.
- Konkret heißt das: Pan-EU FBA löst in der Regel EPR-Pflichten in mindestens 7 Ländern aus (DE, FR, IT, ES, PL, CZ, plus mindestens ein UK- oder Benelux-Land je nach Versand).
- Polen und Tschechien gehören NICHT zu den Pay-on-Behalf-Ländern. Hier muss die Eigen-Registrierung erfolgen.
Realistische Compliance-Kosten für Pan-EU
Aus unserer Arbeit mit Brands im 5 bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz sehen wir typische Jahreskosten von 6.000 bis 18.000 Euro pro Brand für die EPR-Compliance auf Pan-EU-Niveau:
- Eigen-Registrierungen und Dual-System-Verträge in DE, NL, österreich, PL, CZ: ca. 2.500 bis 5.000 Euro
- Authorised Representative in 4 bis 6 Ländern: ca. 3.500 bis 9.000 Euro
- Pay on Behalf-Service-Fees in FR, IT, ES, BE, UK: ca. 1.000 bis 4.000 Euro (variiert stark mit Sortiment und Verpackungsmaterial)
Mehr zur Pan-EU-Logik findest du in unserem Artikel zur Multi-Marktplatz-Strategie und im Detail zur EU-Expansion auf Amazon.
Strafen, Sperren und der Worst Case
Die rechtlichen Konsequenzen bei fehlender oder unvollständiger EPR-Registrierung sind in den letzten 18 Monaten deutlich verschärft worden. Die wichtigsten Zahlen:
Bussgelder pro Land (Auswahl)
- Deutschland: Bussgelder bis zu 200.000 Euro pro Verstoss laut VerpackG (Bezugsgröße: pro Material-Tonne und nicht-registriertem Inverkehrbringen).
- Frankreich: Bis zu 30.000 Euro pro Verstoss plus zusätzliche TGAP-Aufschläge.
- Italien: Bis zu 26.000 Euro pro Verstoss, plus mögliche Strafmassnahmen bei wiederholten Verstößen.
- Spanien: Bis zu 3,5 Millionen Euro für schwerwiegende Verstöße gegen die RD 1055/2022 (Verpackungsabfall-Verordnung).
- UK: Strafen variabel, plus mögliche persönliche Haftung von Geschäftsführern.
Was Amazon im Sperrfall macht
- Automatische Suspension der betroffenen ASINs im jeweiligen Marketplace (in der Regel innerhalb von 24 bis 72 Stunden nach Datenabgleich).
- Bei wiederholten oder schweren Verstößen: temporäre Account-Sperre für das gesamte Land.
- Wiederherstellung erst nach Vorlage gültiger Registrierungs-Nummer, in der Praxis 4 bis 12 Wochen Verzögerung wegen Bearbeitungszeiten der nationalen Register.
Eine Sperre im laufenden Q4-Geschäft bedeutet typischerweise einen Umsatzverlust von 15 bis 40 Prozent des Jahresumsatzes, je nach Saisonalität. Das ist die mit Abstand teuerste Variante, mit EPR-Compliance umzugehen.
Checkliste: EPR-Compliance bis 12. August 2026
- Compliance-Portal in Seller Central prüfen: Welche Marktplätze sind aktiv, welche Lagerorte existieren?
- Deutschland: LUCID-Registrierung plus Dual-System-Vertrag, EAR-Nummer für Elektroprodukte, Stiftung GRS BattG für Batterien
- Frankreich: ADEME Identifiant Unique über CITEO, plus TGAP-Anmeldung bei Bedarf
- Italien: CONAI-Registrierung, ggf. mit steuerlichem Repräsentanten
- Spanien: Anmeldung über SCRAP-System (Ecoembes, Ecovidrio je nach Material)
- Benelux + österreich: Eigenregistrierung, KEIN Pay on Behalf verfügbar
- Authorised Representative in jedem EU-Land ohne eigenen Sitz benennen (ab 12. August Pflicht)
- Pan-EU-FBA-Nutzung: EPR-Pflichten in DE, FR, IT, ES, PL, CZ prüfen und decken
- Multi-Channel-Setup: Eigen-Registrierung bei DTC, Otto, Zalando-Verkauf trotz Amazon Pay on Behalf
- Jährliches Reporting-Setup (Mengen-Tracking nach Material und Land) etablieren
- Compliance-Dienstleister-Vergleich: Lizenzero EU, Deutsche Recycling, Ecosistant, eucompliance (typisch 800 bis 2.500 Euro pro Jahr und Land)
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Fehler 1: "Ich habe LUCID, ich bin fertig"
LUCID ist die Registrierungs-Nummer, nicht die eigentliche Compliance. Du brauchst zusätzlich einen Vertrag mit einem dualen System (Reclay, Interzero, Landbell etc.), das die Lizenzgebühren je Material und Tonnage abrechnet. Eine LUCID-Nummer ohne Vertrag führt bei der nächsten Prüfung zur Sperrung.
Fehler 2: "Amazon Pay on Behalf deckt alles ab"
Pay on Behalf deckt ausschliesslich Amazon-Mengen, ausschliesslich Verpackungen (in den meisten Ländern), ausschliesslich in 5 Ländern. Wenn du parallel über DTC, Otto oder Zalando verkaufst, brauchst du für diese Kanäle eigene Registrierungen. Wenn du Elektroprodukte (WEEE) oder Batterien verkaufst, deckt Pay on Behalf das in vielen Ländern auch nicht.
Fehler 3: "Pan-EU FBA macht EPR automatisch"
Pan-EU FBA macht das Gegenteil: Es multipliziert die EPR-Pflichten. Wer von Pan-EU profitieren will, muss in mindestens 7 Ländern EPR-konform sein. Aus unserer Erfahrung verzichten manche Brands bewusst auf Polen und Tschechien im Pan-EU-Programm, um die Compliance-Kosten zu reduzieren, das geht über die Lagerort-Konfiguration in Seller Central.
Fehler 4: Authorised Representative wird vergessen
Bis Juli 2026 war der AR vor allem für Drittland-Verkäufer relevant. Ab 12. August 2026 trifft die Pflicht auch EU-interne grenzüberschreitende Verkäufer. Wer das ignoriert, hat keinen rechtlichen Markteintritt im Empfängerland, unabhängig von EPR-Registrierung.
Fehler 5: Mengen-Tracking wird nicht etabliert
EPR-Beiträge bemessen sich nach in Verkehr gebrachten Mengen, getrennt nach Material (Karton, PE, PET, Glas, Aluminium etc.) und Land. Ohne sauberes Tracking kannst du nicht akkurat reporten, und falsche Reports führen zu Nach-Berechnungen und Strafen. Wer keine eigene ERP-Schnittstelle hat, sollte das Tracking über den Compliance-Dienstleister oder über Tools wie eprio.eu auslagern.
Ausblick: DPP und nächste EPR-Wellen
Die PPWR ist nicht das Ende der Compliance-Verschärfung, sondern ein Schritt in einer längeren Reihe. Drei Entwicklungen, die in den nächsten 18 Monaten relevant werden:
- Digital Product Passport (DPP): Ab 2027 für Textilien, ab 2028 für Elektronik, langfristig für fast alle Produktkategorien. Jedes Produkt bekommt einen QR-Code mit Herkunfts-, Material- und Recycling-Daten. Ein erster grosser Schritt zur Vollintegration der EPR-Daten ins Produkt selbst.
- Textiles EPR (frEPR Textil): Frankreich hat 2025 die Textil-EPR verschärft, Deutschland zieht ab Januar 2027 nach. Wer Mode auf Amazon verkauft, sollte die Fashion-spezifischen Anforderungen jetzt mitdenken.
- Recyclingfähigkeit als Marktzugangs-Voraussetzung (2030): Ab 1. Januar 2030 müssen Verpackungen recyclingfähig sein. Das wirkt schon heute auf Verpackungs-Design und Lieferanten-Auswahl zurück, wer 2026 neue Verpackungen entwickelt, sollte die 2030er-Recyclingfähigkeit als Pflichtkriterium aufnehmen.
Mehr zur strategischen Einordnung steht in unserem Artikel zur Amazon-Nachhaltigkeitsstrategie und zum verwandten Compliance-Thema GPSR-Pflicht, die seit Dezember 2024 schon greift.
Fazit: Compliance ist kein Side-Project mehr
Die PPWR und ihre Marktplatz-Pflicht ab August 2026 macht aus EPR-Compliance ein operatives Topp-Thema. Wer heute noch annimmt, dass Amazon "das schon irgendwie regelt", wird im Herbst 2026 mit Suspensions, Pay-on-Behalf-Gebühren und kostspieligen Nach-Registrierungen rechnen müssen. Die gute Nachricht: Die Strukturen sind bekannt, die Dienstleister etabliert, und der Aufwand für eine saubere Pan-EU-Compliance bewegt sich in einem überschaubaren Jahresbudget von 6.000 bis 18.000 Euro, je nach Sortimentsbreite.
Die teuerste Variante ist die, die sich viele Seller heute leisten: Abwarten und hoffen. Eine einzige Suspension in Q4 kostet typischerweise mehr als drei Jahre saubere Compliance. Und im PPWR-Regime sind diese Suspensions ab 12. August 2026 nicht mehr Ausnahme, sondern Default.
Wenn du Unterstützung bei der Pan-EU-EPR-Aufstellung brauchst, unterstützt unsere Marketplace-Agentur bei der Auswahl der richtigen Compliance-Partner, beim Setup der nationalen Registrierungen und beim Mengen-Tracking über alle Vertriebskanäle hinweg. Buche dazu gerne ein Erstgespräch.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel gibt den Stand vom 24. Mai 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Die PPWR (Verordnung 2025/40) gilt ab 12. August 2026, einzelne Mitgliedstaaten können ergänzende nationale Vorschriften erlassen. Die hier genannten Bussgelder und Bearbeitungszeiten beruhen auf den Stand der Recherche und können sich ändern. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wende dich an einen spezialisierten Rechtsanwalt oder an einen lizenzierten EPR-Compliance-Dienstleister. Alle Angaben ohne Gewähr.
Quellen
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2025/40 (PPWR) Volltext
- Lovat Compliance: PPWR Requirements 2026 Full Guide
- Lovat Compliance: EPR Compliance in Europe 2026
- Ecosistant: EPR Registration Number for Amazon
- Amazon Seller Central: EPR requirements EU Packaging
- Amazon Seller Central: EPR Pay on Behalf Overview
- Lizenzero EU: Authorised Representative ab 2026
- FLEX Logistik: PPWR meets LUCID in Germany
- Deutsche Recycling: EPR Compliance for Amazon Vendor Central
- Deutsche Recycling: Amazon Pan-EU EPR Compliance Guide
- Händlerbund: Verpackungsverordnung PPWR
- BTL Rechtsanwälte: PPWR ab August 2026
- Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister (LUCID)
- Stiftung Elektro-Altgeräte-Register (EAR)
- About Amazon EU: Small Business EU Packaging Study
