Key Takeaways
- Referral Fees: 8-15% je nach Kategorie
- FBA-Versandgebühren: Durchschnittlich EUR 0,32 günstiger in 2026
- Lagerkosten: Off-Peak ~EUR 26/m3, Peak ~EUR 36/m3
- Langzeitlager (365+ Tage): EUR 170/m3
- Optimierung: IPI-Score, Sell-Through-Rate, Bestandsplanung
Die FBA-Gebührenstruktur von Amazon hat sich 2026 erneut verändert. Wer seine Margen schützen und profitabel auf Amazon verkaufen will, muss die aktuelle Kostenstruktur genau kennen. In diesem Beitrag schlüssel wir alle relevanten Gebühren auf und zeigen konkrete Optimierungshebel, die wir in der Praxis mit unseren Kunden einsetzen.
Die drei Gebührensäulen bei Amazon FBA
Amazon FBA Kosten setzen sich aus drei Hauptbestandteilen zusammen: Verkaufsgebühren (Referral Fees), Versandgebühren (FBA Fulfillment Fees) und Lagergebühren (Storage Fees). Dazu kommen situationsabhängige Zusatzkosten. Jede dieser Säulen hat eigene Berechnungsgrundlagen und Optimierungspotenziale.
1. Verkaufsgebühren (Referral Fees)
Die Referral Fee ist die Provision, die Amazon für jeden Verkauf erhebt. Sie liegt je nach Kategorie zwischen 7% und 15% des Verkaufspreises. Die wichtigsten Sätze für 2026:
- Elektronik & Computer: 7-8%
- Bekleidung & Schuhe: 15% (unter 45 Euro) bzw. 7% (ab 45 Euro für Schuhe)
- Home & Garden: 15%
- Beauty & Körperpflege: 8-15% (gestaffelt nach Preis)
- Lebensmittel: 8-15%
- Spielzeug & Spiele: 15%
Zusätzlich gilt eine Mindest-Referral-Fee von 0,30 Euro pro Artikel. Bei niedrigpreisigen Produkten unter 3 Euro kann das die effektive Gebühr auf über 10% treiben.
2. FBA-Versandgebühren (Fulfillment Fees)
Die FBA-Versandgebühren decken Picking, Packing und den Versand an den Endkunden ab. Sie berechnen sich nach Größe und Gewicht des versandfertigen Pakets. Die aktuellen Stufen für Standard-Produkte auf Amazon.de:
- Kleine Umschlaggröße (bis 80g): ab 1,87 Euro
- Standard-Größe (bis 400g): ab 2,87 Euro
- Standard-Größe (bis 900g): ab 3,61 Euro
- Standard-Größe (bis 1,5kg): ab 4,39 Euro
- Übergröße (bis 5kg): ab 6,22 Euro
- Übergröße (bis 10kg): ab 7,05 Euro
2026 hat Amazon die Gebührenkategorien weiter verfeinert. Besonders die Einführung der "Low Inventory Level Fee" bedeutet, dass Seller mit chronisch niedrigen Lagerbeständen (unter 28 Tage Reichweite) einen Aufschlag zahlen. Gleichzeitig hat Amazon das Small and Light Programm in die reguläre Gebührenstruktur integriert, was für Produkte unter 12 Euro zu leicht reduzierten Sätzen führt.
3. Lagergebühren (Storage Fees)
Amazon berechnet monatliche Lagergebühren basierend auf dem Volumen deiner eingelagerten Ware. Die Sätze unterscheiden sich deutlich zwischen Haupt- und Nebensaison:
- Januar bis September: ca. 30,60 Euro pro Kubikmeter/Monat (Standard)
- Oktober bis Dezember: ca. 42,37 Euro pro Kubikmeter/Monat (Standard)
- Übergröße Januar-September: ca. 18,36 Euro pro Kubikmeter/Monat
- Übergröße Oktober-Dezember: ca. 25,34 Euro pro Kubikmeter/Monat
Zusätzlich fallen Langzeitlagergebühren an: Ware, die länger als 181 Tage im Lager liegt, wird mit Aufschlägen belegt. Ab 271 Tagen und besonders ab 365 Tagen steigen die Kosten deutlich. Die Aged Inventory Surcharge kann bis zu 6,90 Euro pro Kubikmeter erreichen.
Zusatzkosten, die oft übersehen werden
Neben den drei Hauptgebühren gibt es weitere Kostenpositionen, die in die Kalkulation gehören:
- Removal & Disposal Fees: 0,25-1,20 Euro pro Einheit für die Entfernung oder Entsorgung von Lagerbestand
- Return Processing Fees: Für bestimmte Kategorien (z.B. Bekleidung) berechnet Amazon zusätzliche Retouren-Gebühren
- Prep-Service-Gebühren: Falls Amazon die Ware labeln oder verpacken muss, fallen pro Einheit Kosten an
- Inbound Placement Fee: 2026 verstärkt eingeführt, wenn du festlegst, an welches Lager deine Sendung gehen soll, statt Amazon die Verteilung zu überlassen
So optimierst du deine FBA-Kosten
Aus unserer Erfahrung mit über 50 Amazon-Accounts sind dies die wirksamsten Hebel:
- Verpackung optimieren: Jeder Zentimeter zählt. Reduziere die Verpackungsgröße auf das Minimum und wechsle in eine günstigere Größenkategorie. Ein Wechsel von "Standard" zu "Kleine Umschlaggröße" kann 1 Euro pro Einheit sparen
- IPI-Score über 500 halten: Ein guter Inventory Performance Index vermeidet Lagerlimits und Zusatzkosten. Regel: Ware, die sich nicht innerhalb von 90 Tagen verkauft, proaktiv entfernen
- Saisonale Einlagerung planen: Q4-Lagergebühren sind 38% höher. Plane deine Nachbestellungen so, dass du im Oktober ausreichend Bestand hast, aber keine überschüssige Ware über die Hochpreisphase lagerst
- Low Inventory Level Fee vermeiden: Halte mindestens 28 Tage Lagerreichweite, um den neuen Aufschlag zu umgehen. Automatische Nachbestellungen über Seller Central Alerts einrichten
- Produktbundles bilden: Statt einzelne niedrigpreisige Artikel zu versenden, fasse mehrere Produkte zu einem Bundle zusammen. Das senkt die FBA-Gebühr pro Verkaufseinheit deutlich
Beispielkalkulation: Was bleibt übrig?
Nehmen wir ein typisches Produkt: Verkaufspreis 29,99 Euro, Kategorie Home & Garden, Standardgröße 400g.
- Referral Fee (15%): 4,50 Euro
- FBA Versandgebühr: 2,87 Euro
- Lagergebühr (anteilig pro Einheit): ca. 0,15 Euro
- Gesamt Amazon-Gebühren: ca. 7,52 Euro (25,1% vom VK)
Bei einem Wareneinsatz von 8 Euro und Werbekosten von 3,50 Euro (ACOS ca. 23%) verbleiben dir 10,97 Euro Rohertrag. Das entspricht einer Netto-Marge von rund 36,6% vor Steuern und Fixkosten. Dieser Wert ist solide, aber es zeigt: Wer seine Amazon-Kosten nicht im Griff hat, verbrennt schnell Marge.
Fazit: Gebühren kennen, Margen schützen
Die FBA-Gebührenstruktur 2026 ist komplexer denn je, aber auch besser kalkulierbar. Nutze den Amazon Revenue Calculator für jede Produkt-Kalkulation, prüfe quartalsweise deine Kosten-Struktur und optimiere Verpackungsgrößen und Lagerbestände proaktiv. Wer seine Zahlen kennt, trifft bessere Entscheidungen und baut ein nachhaltig profitables Amazon-Business.
